Einführung

Es kommt leider immer wieder vor, dass Frauen und Mädchen belästigt, bedroht, überfallen oder im schlimmsten Fall vergewaltigt werden. Zehntausende von ihnen sind jährlich immer wieder Opfer von derartigen Gewalttaten. Allein im Jahr 2005 wurden in Deutschland, der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge, 7.874 Frauen und Mädchen Opfer von Vergewaltigung und schwerer sexueller Nötigung. Und dies stellt nur die polizeilich registrierten Fälle dar – heißt; die Fälle, die zur Anzeige kamen.

Allerdings, geht man von Expertenmeinungen und Opferverbänden wie dem Weißen Ring e.V. aus, liegt die Dunkelziffer bei dem 10 bis 20-fachen. Das bedeutet:

Man geht davon aus, dass in Deutschland ca. alle 3 Minuten eine Frau oder ein Mädchen Opfer von sexueller Gewalt wird.

Auch kann jede Frau und jedes Mädchen Opfer einer derartigen Gewalttat sein – soziale Herkunft, Alter, Aussehen, Kleidung, Nationalität oder Religion spielen überhaupt keine Rolle.

Und es kann überall und zu jeder Tageszeit passieren – auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Schule. Vergewaltigungen z.B. passieren nicht – wie oft angenommen – in erster Linie in dunkler Nacht und an unheimlichen Orten. Nicht der dunkle Park, die einsame Straße oder die verlassene Tiefgarage sind die überwiegenden Tatorte – es sind die Orte, wo man sich vermeintlich am sichersten fühlt: die Wohnung, der Arbeitsplatz, das Auto etc. – heißt das gewohnte Umfeld.


Die Täter

Die Täter sind ganz „normale Menschen“, und es sind sowohl Männer als auch Frauen. Allerdings sind die weit überwiegende Mehrheit der Täter – nämlich 99 Prozent – männlich. Und wie auch schon im Bezug auf den Ort des Verbrechens, gibt es einen weit verbreiteten Irrtum was die Täter betrifft. Es ist eben nicht der „große Unbekannte“! Der weit überwiegende Teil der Täter kommt aus dem verwandtschaftlichen Umfeld und aus dem Bekanntenkreis.

Rund 60 % der Täter kommen aus dem näheren, sozialen Umfeld der Opfer!

Was tun?

Noch vor nicht allzu langer Zeit herrschte die weitläufige Meinung vor, dass man sich – um Schlimmeres zu verhindern – sich im Fall einer versuchten Vergewaltigung besser nicht wehren sollte. Wie man heute weiß, ist es genau der falsche Rat.

Sie sollten sich unbedingt und mit aller Macht wehren!!!

Dies belegt auch eine polizeiinterne Untersuchung der Polizeidirektion Hannover zum Gegenwehrverhalten bei Sexualstraftaten zwischen den Jahren 1991 und 1994. Untersucht wurden hier 522 Fälle mit folgenden Ergebnissen:

Keine Gegenwehr – leisteten 175 Frauen (= 33%): Die Täter erreichten in 74 % der Fälle ihr Ziel und in 26 % der Fälle ließen sie vom Opfer ab (z.B. weil zufällig unbekannte Dritte dazu kamen).

Leichte Gegenwehr – leisteten 207 Frauen (= 40%): Die Täter erreichten in nur 36 % der Fälle ihr Ziel und in 132 Fällen (= 64%) ließen sie vom Opfer wegen erfolgter Gegenwehr oder anderer äußerer Umstände ab.

Massive Gegenwehr – leisteten 140 (=27%) der Frauen. In nur 15% der Fälle wurde die Tat dennoch vollendet. Bei 84 % der Fälle führte die Gegenwehr zum Abbruch der Tat. Wenn man bedenkt, dass in dieser Untersuchung schon das einmalige Schlagen oder Treten, lautes Schreien oder Kratzen und Beißen als massive Gegenwehr gewertet wurde, sind dies ermutigende Zahlen.

Erwähnt sei auch noch, dass in zwei der Fälle die Gegenwehr der Frau ein noch gewalttätigeres Vorgehen des Täters nach sich zog. Als daraufhin sich die Gegenwehr der Frau wiederum verstärkte, wurde in beiden Fällen die Tat nicht vollendet. Und noch ein Letztes zu dieser Untersuchung:

In einem der Fälle war die Angegriffene eine
Kampfsportlerin. Sie setzte entsprechende Techniken ein und konnte damit den Angriff abwehren. Diese Zahlen bestätigen, was Experten und Kriminologen schon lange vermuten.

Und eine Abbruchquote von 84 % (!) bei massiven Gegenwehrverhalten spricht sicher für sich!

Warum hat man nun früher den Frauen geraten sich besser nicht zuwehren?

Mit ein Grund war die Meinung, dass das Risiko einer Eskalation der Situation, und damit die Gefahr einer noch schwereren Verletzung (?), unkalkulierbar für die Frau war. Fest steht jedoch eins; die entsprechende Opferforschung konnte nie einen direkten Zusammenhang zwischen verstärkter Gegenwehr und zwangsläufig größeren Verletzungen herstellen. Und natürlich ist eine Eskalation auch dann möglich, wenn gar keine Gegenwehr ergriffen wird.

Eine Garantie dafür, dass bei Gegenwehr der Täter zurückzieht, kann natürlich keiner geben – aber die Wahrscheinlichkeit ist ungleich höher im Gegensatz zur ausbleibenden Gegenwehr.


Verteidigen - aber wie?

Gibt es eine ultimative Selbstverteidigung - die Budosportart für Frauen? Eher nicht! Die „Beste Kampfkunst“ gibt es nicht – weder für Frauen noch für Männer. Stehen sich zwei Kickboxer gegenüber – so kennt natürlich der eine die Tricks des anderen. Auch hat das eine System seine Vorteile im Stehen und das andere die seinen am
Boden. Des Weiteren gibt es auch einfach physische Grenzen des Einzelnen. Nicht jeder kann eben ein guter Kampfsportler werden. So ist es auch immer sehr individuell zu sehen. Zu meinen, dass ein Kampfkunstsystem nun das für Frauen am besten geeignete wäre ist da sicher fraglich.

Jedes Kampfkunstsystem hat gute und effektive Techniken der Selbstverteidigung. Insofern ist ein System, welches Techniken aus mehreren Kampfkünsten in sich vereint – wie das Ju Jutsu – sicher mehr geeignet als ein System welches sich auf nur seine eigenen Techniken verlässt. Es ist auch so, dass nicht jede Technik bei jedem durchführbar ist. D.h.:

Je vielseitiger ich in meiner Wahl der Techniken bin, desto größer ist natürlich auch die Erfolgschance!

Hilft ein Selbstverteidigungskurs?

Alle Systeme haben jedoch eines gemeinsam:

In jedem Fall ist ein gezieltes und ständiges Training notwendig.

Ein Selbstverteidigungskurs ist da natürlich der ideale Einstieg.

Allerdings nur, wenn es danach weitergeht. Nur das ständige Üben versetzt mich in die Lage, im entscheidenden Moment auch richtig zu reagieren. Der Körper „weiß“ dann instinktiv, wie er reagieren soll. Ein Wochenendkurs ist da zwar sinnvoll – er kann aber allenfalls als Einstieg und zur Information dienen. Auch Bücher zu diesem Thema sind sicher gut um sich zu informieren, ersetzen aber in keinem Fall ein effektives Training.

Noch ein Wort zu diversen
Selbstverteidigungsmitteln.

Der Markt mit solchen Dingen ist voll: Reizgas, Pfefferspray, Elektroschocker und andere Dinge. Eines darf man nie vergessen:

Diese und andere Mittel können, werden sie mir vom Angreifer abgenommen, auch sehr schnell gegen mich selber eingesetzt werden!

Abgesehen davon, dass viele dieser Dinge gar nicht erlaubt sind, hat man sie im Ernstfall wohl gar nicht schnell genug in der Hand. Außerdem bedarf die Bedienung ebenfalls einiger Übung. Dann kann man auch gleich etwas Richtiges üben.

Ein gezielter Tritt, Schlag oder Griff ist da sicher effektiver!
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